| Radierung
in Braun, 205 x 260 mm (Plattenabdruck).
Links unten auf dem Plattenrand: "Claude Lorrain delin't".
Rechts unten: "R. Earlom fecit". Unten Mitte: "Published
May 1775 by John Boydell Engraver in Cheapside". Darunter:
"From the Original Drawing in the Collection of the Duke of
Devonshire". Ganz unten links die Nummer 83.
Als Reproduktionsstecher erwarb sich Richard Earlom mit seiner Mezzotinto-Technik
bei den Zeitgenossen große Anerkennung. Von besonderer Wirkung
war jedoch die Veröffentlichung des "Liber Veritatis"
von Claude Lorrain (1600-1682). Dieses Buch, eine Sammlung von Handzeichnungen
nach eigenen Gemälden, war von Claude selbst im Sinne eines
Katalogs seiner "wahren" Werke angelegt worden - sowohl
zum eigenen Überblick als auch um Fälschungen vorzubeugen.
In einer gewissen Vereinfachung (Glättung der Linien, Betonung
der Umrißlinien u.a.) entsprach Earlom nicht der Vorlage,
kam aber vielleicht gerade damit dem Stilempfinden der klassizistischen
Nachahmer entgegen. In jedem Fall trug er entscheidend zur Verbreitung
der Bildgedanken Claude Lorrains bei, die von den Landschaftsmalern
des 18./19. Jahrunderts begierig aufgegriffen wurden. Die allgemeine
Vorstellung von Claude Lorrain wurde im späten 18. und frühen
19. Jahrhundert ganz erheblich von Earloms und Boydells Publikation
geprägt. Die Reproduktionen wurden berühmter und allgemein
bekannter als es die Vorlage, heute im Besitz des British Museum,
jemals gewesen ist. Die Veröffentlichung von 1777 umfaßte
zwei Bände mit jeweils hundert Abbildungen, die bis 1819 mehrfach
aufgelegt wurden. 1819 entstanden nochmals 100 Platten für
einen dritten Band, der überwiegend einzelne, Claude Lorrain
zugeschriebene Zeichnungen reproduzierte.
Guter
Abdruck.
Michael
Kitson: Claude Lorrain. Liber veritatis. London: British Museum
Publ. 1978.

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