Radierung, 262 x 330 mm (Plattenabdruck).
Unten links in der Platte signiert mit "C W Kolbe f".

Guter Abdruck mit schmalem Plattenrand.

Nach dem Besuch einer französischen Gelehrtenschule wirkte C.W. Kolbe zunächst als Französischlehrer am Philantropin in Dessau, der von Basedow gegründeten Erziehungsanstalt. Bestärkt durch Chodowiecki entschloß er sich erst 1789 zu einer Künstlerlaufbahn und trat in die Klasse von Asmus Jakob Carstens an der Akademie in Berlin ein. Es gehört zu dem künstlerischen Eigensinn Kolbes, dass er sich erst bei Carstens mit der schwierigen Aufgabe der menschlichen Gestalt auseinandersetzen wollte, bevor er sich auf sein eigentliches Ziel, das als anspruchsloser geltende Landschaftsfach konzentrierte. Bald fand er in der Radierung zu seiner bevorzugten künstlerischen Technik und zu höchster Meisterschaft. 1795 kehrte er, nun als Zeichen- und Französischlehrer, nach Dessau zurück. Die Gartenanlagen von Dessau-Wörlitz und die umgebende Landschaft boten ihm reiche künstlerische Anregung, das fortschrittliche kleine Fürstentum ein gutes kulturelles Umfeld. Mit seinen landschaftlichen Radierungen nimmt er eine hervorragende, in mancher Hinsicht singuläre Stellung ein. Als "Eichen-Kolbe" ist er für seine Wald- und Baumbilder bekannt, seine eigenwilligen Kräuterstücke wirkten fort auf den Symbolismus bis hin zum Surrealismus. Vorbilder für seine Kunst sah Kolbe in besonderer Weise in Salomon Geßner (1730-1788) und in Anthonie Waterloo (um 1610-1690). Letzterem ist die hier abgebildete Landschaft mit Wassermühle verpflichtet. Im Jahr seiner Rückkehr nach Dessau äußerte sich Kolbe in zwei Briefen an den Kupferstecher Joh. Friedrich Bolt über sein Verständnis von Natur und Kunst:
"Nur Wahrheit und Lebendigkeit im Ganzen wie in den Details, nur jener Charakter der Anschaulichkeit, der dem unbefangenen Zuschauer den unwillkürlichen Ausruf abpreßt: Das ist wirkliche Natur! - nur das ist es, was wenigstens nach meinem individuellen Gefühle, ein Werk der Kunst zum Meisterwerke stempelt."
(zit. n. Martens, S. 16.)

Ulf Martens: Der Zeichner und Radierer C.W. Kolbe (1759-1835). Berlin: Gebr. Mann Verlag 1976. Hier: Kat.-Nr. 177.

 

Carl Wilhelm Kolbe
1759 Berlin - 1835 Dresden

Waldteich mit Wassermühle
III von III (Martens)